Teil 9: Fazit – Was nun? – Was tun?
22. Februar 2021
Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse:
Petra hat einen schlimmen Unfall,
– der Schirm gerät in den Sackflug und die Frage taucht auf, ob die Trimmung des Schirms den Unfall mitverschuldet haben könnte.
Meine erste, und zweite Vermessung des Unfallschirms zeigt
– deutliche Asymmetrien im Schirm durch nicht eingetrimmte Austauschleinen, teils vom Hersteller beim letzten Check ersetzt und eine Leine falsch provisorisch eingeknotet
– die Kappe bremst sehr stark über die C/D-Ebene. Die Winkelveränderung der B- zur C-Ebene zueinander beträgt deutlich > 2°. Allein diese Tatsache deutet auf eine hohe Sackflugneigung hin.
– es gibt einige nicht erklärbare „Ungereimtheiten“ (AG7 …. CG8 wie aufgeführt) bei der Vermessung benachbarter Leinen, die auf falsche Sollwerte und/oder falsche Leinenlängen zwingend hinweisen.
Der letzte Check vom Hersteller/Checkbetrieb Januar 2020 zeigt dagegen
– keine Asymmetrien (die ersetzten und aufgeführten Leinen passen gut ins System)
– die Kappe bremst ebenfalls an, aber lange nicht so stark wie in meiner Vermessung
– es gibt keine „Ungereimtheiten“ beim Ergebnis benachbarter Leinen
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Die Vermessung durch den Hersteller nach dem Unfall
– bestätigt zunächst, dass die Trimvermessung nach dem Unfall ok ist und der von vor einem Jahr sehr ähnelt.
– ein paar Tage später ist der Schirm auf einmal „enorm geschrumpft“ und 4 Galerieleinen rissen beim Reckversuch, wobei die aufgewendete Kraft <20daN betragen haben soll. Weitere Reckversuche wurden daher nicht unternommen.
– der Schirm wird für fluguntauglich erklärt und somit (endgültig) aus dem Verkehr gezogen.
Meine erneute Vermessungg zeigt auf
– die trimauffälligsten 6 von 14(16) Leinen sind ersetzt worden.
– die gerissenen Leinenreste ergaben neu verspleißt, Bruchlastwerte von soliden 36 bis 43daN
– die ersetzte A1L-Stammleine ist ganz sicher auch nicht beim Recken gerissen
– die eingeknotete Leine wurde ersetzt – ist aber immer noch deutlich asymmetrisch zur Gegenseite – diesmal allerdings länger und mit trimtechnisch besserer/korrekterer Länge.
– alle vorhandenen sonstigen Ungereimtheiten (ua. AG7 , CG8), sind immer noch deutlich sichtbar.
– Die MIN/MAX-Abweichung vom Schirm liegt auch mit den ersetzten Leinen immer noch bei über 50mm
– Die Trimmung des Schirms ist nicht mit dem Austausch dieser 6 Leinen zu retten gewesen
Fazit:
Ich hatte hier mal ein längeres Fazit stehen,- aber es ist doch nur eine Wertung der Fakten, die sehr offensichtlich sind, so dass sich jeder Leser selbst ein Urteil bilden kann.
Im Gesamtzusammenhang erachte ich dann die angeblich letzte 2-Jahres-Check-Vermessung vom Januar 2020 dann auch als sehr wenig glaubhaft.
Wäre der Unfall verhinderbar gewesen?…. auch das möge der Leser beurteilen.
Zum Schluss noch der Hinweis auf den Checkergipfel vom DHV:
https://www.dhv.de/medien/archiv/news-archiv/newsdetails/article/arbeitsgruppe-gleitschirm-nachpruefungen/
Hier heißt es abschließend:
„Zusammengefasst kann festgehalten werden:
Wenn ein Gleitschirmpilot seinen Schirm regelmäßig bei einem vom Hersteller autorisierten, renommierten Nachprüfbetrieb checken lässt, ist ein guter Sicherheitsstandard gewährleistet.“
Wikipedia definiert:
„Gewährleistung, auch Mängelhaftung oder Mängelbürgschaft, bedeutet im Schuldrecht das Einstehenmüssen für eine mangelhafte Leistung, insbesondere die Haftung für Sach- und Rechtsmängel.
Immer 2 Schippchen Luft unter beiden Flügeln, und sauber von vorne anströmend wünscht
Ralf
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Zum Schluss noch ein paar Worte von Petra:
„Die letzten drei Monate, in denen Ralf seine Zeit und Energie in diese Dokumentation und die Untersuchungen meines Schirmes gesteckt hat, habe ich damit verbracht die Unfallschäden an meinem Körper und meiner Psyche wieder zu reparieren. Ralfs Arbeit an meinem Schirm ist jetzt beendet, die allgemeine Arbeit an diesem wichtigen Thema noch lange nicht.
In den letzten drei Monaten hatte ich, vor allem in den schmerzbedingt schlaflosen Nächten und viel Zeit über die Ereignisse nachzudenken. Es ist tatsächlich gar nicht nur der Unfall an sich, der mich am meisten belastet. Auch wenn ich die Folgen sicher ein Leben lang spüren werde.
Was mich besonders erschüttert ist der Umgang des Herstellers mit der Sache.
Angefangen damit, dass auf meine Mail, in der ich ihm den Unfallhergang schilderte, nicht ein Wort des Zweifels kam, dass mit dem Schirm etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte. Stattdessen Belehrungen wie unvernünftig es von mir war im Landeanflug die Ohren anzulegen.
Auch als der Schirm dann bei ihm war, kein Eingestehen des eigenen Fehlers, sondern nur Verstrickungen in mehr und mehr Lügen um sich selbst aus der Affäre zu ziehen. Und das auf meine Kosten.
Wie wäre es gewesen, wenn Ralf sich nicht bereit erklärt hätte sich der Unfallaufklärung anzunehmen….?
Ich hätte vermutlich arglos den Schirm direkt dem Hersteller geschickt. Hätte seiner Aussage geglaubt mit der Trimmung sei alles in Ordnung. Vielleicht hätte er dem Schirm doch einen neuen Leinensatz verpasst, vielleicht auch gesagt, eine Reparatur lohne sich nicht und sei zu teuer?
Ziemlich sicher hätte ich jedenfalls die Freude am Fliegen dadurch verloren. Denn laut Hersteller bin ich ja ohne ersichtlichen Grund vom Himmel gefallen. Am Schirm lag es ja nicht und dass ich selbst keine gravierenden Fehler gemacht habe, das weiß ich. Also bliebe nur der Schluss-Gleitschirmfliegen ist gefährlich, denn man kann jederzeit mal einfach so abstürzen…
Was wirklich abgelaufen ist wäre nie ans Licht gekommen und früher oder später wäre es womöglich zum nächsten Unglück wegen einem nicht-oder falsch getrimmten Schirm gekommen.
Dazu kann es natürlich immer wieder kommen wenn sich nichts ändert, aber wenn mein Unfall und die Veröffentlichung der Umstände dazu beitragen, dass künftig weniger passiert, dass sich Checkbetriebe ihrer Verantwortung bewusst werden und die Problematik schlecht- oder nicht getrimmter Schirme ins Bewusstsein der Piloten gelangt, vielleicht sogar folgenschwere Unfälle vermieden werden können, dann war mein Absturz zumindest nicht ganz sinnlos.„