Teil 4: Ein erstes Fazit
20. Januar 2021
Ein Vorab-Fazit:
Die ersetzt Leinen passen fast alle nicht ins System – das macht die Visualisierung deutlich. Hier ergeben sich einige Ansätze für neue Themen, z.B. zum Sinn und Unsinn von geforderten Reißtests und der postalischen Bestellung von Leinen ohne Berücksichtigung vom Gebrauchszustand (Alter) der verwendeten Materialien, nebst Einschlaufungen am Leinenschloss, der „moderne“ Einsatz von Softlinks um 30Gramm zu sparen auf Kosten der Nachtrimmöglichkeiten… weia – jedes Schlagwort ein anderes Thema….. nicht heute.
Grundsätzlich mal angesprochen:
Wir haben wir es beim Gleitschirmfliegen mit 2 Gefahren durch ge- bzw. zerstörten, auftriebserzeugenden Umströmungen zu tun, dabei gilt:
Anstellwinkel zu klein:
Gefahr von seitlichen Einklappungen, Gegenklapper, frontale Klappungen
Anstellwinkel zu groß:
Gefahr von Sackflug, Trudeln, anstallen bis hin zum Full-Stall, Rückwärtsflug
Natürlich sollte jedem Piloten klar sein, dass das Ohren anlegen immer eine größere Sackfluggefahr nach sich zieht und dass man dieses Manöver in Bodennähe deshalb wirklich nicht machen sollte. Aber, ein Schirm sollte das nicht tun! Falls er es doch tut, ist das für mich immer ein Hinweis auf eine schlechte Trimmung.
In der Ausbildung haben wir früher einfach so mal das Ohren anlegen geübt Es gab bei uns in der Schulung bis heute keinen einzigen Sackflug.
Es gab aber ernste Sackflug-Zwischenfälle mit teils schweren Unfällen in der GS-Szene und die Lehrmeinung des DHV ging dann als richtige (leider nur erste) Konsequenz dahin, vor dem Ohren anlegen den Schirm ca. 30% vorzubeschleunigen. Dann, seit 2020, müssen die Schüler den Schirm vorher sogar 50% vorbeschleunigen.
Hier werden aber die Symptome behandelt, nicht die Ursachen!
Wenn ein Schirm im Alter auf Grund stärker schrumpfender C/D-Ebene immer langsamer wird (und das beim 2-Jahres-Check nicht bemerkt oder ignoriert wird), dann steigt die Sackflugtendenz. Dem begegnet „man“ beim Manöver Ohren anlegen durch vorheriges Beschleunigen….. erst 30% , jetzt 50%,- und vielleicht in Zukunft nicht doch lieber noch mehr?
Eine Ursache, die zunehmende Vertrimmung der Gleitschirme, wird dabei nicht ausreichend beachtet. Einfache Formel zur Erklärung für das Auftreten von Störungen ist dabei:
– Der Schirm klappt stets auf Grund von Turbulenzen ein – also zu anspruchsvollen Bedingungen bzw.
– Sackflug, Trudeln entsteht immer, wenn der Pilot/die Pilotin/Petra zu stark bremst.
Noch einfacher ausgedrückt: „Es passiert nichts auf Grund von altersbedingten Trimveränderungen“. Schuld an Zwischenfällen ist immer der Pilot oder die Bedingungen!
Dass die Steuerleinenlängenänderungen in Relation zu den Fangleinenänderungen hier auch noch eine leider sehr gravierende Rolle spielen können, Materialien in kurzer Zeit erhebliche Schrumpfungen erfahren, Schirme selbst von erfahrenen Piloten dann im Normalflug angebremst stehen, sei heute nur noch mal am Rande erwähnt.
Petras Unfall war der Sackflug.
Schaue ich mir meine Vermessung des Unfallschirms an, habe ich keinen Zweifel daran, dass der stark gebremste Schirm auf Grund der Trimveränderung ursächlich, neben dem Anlegen der Ohren mit! zu dem Unfall geführt hat.
Ich kann nicht beweisen, dass der Schirm nicht in den Sackflug gegangen wäre, wenn die Trimmung korrekt gewesen wäre,- bin aber davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit dafür sehr, sehr viel kleiner gewesen wäre.
(und das sind einfach zu viele „wäre“ in einem Satz… )
An dieser Stelle ist meine Analyse (zunächst einmal) beendet.