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Teil 10: Nachlese – Happy End?

Kaiser, König, Bettelmann - vielleicht bist Du als nächster dran

31. August 2021

Es sei erlaubt und es fairerweise auch angebracht, ein endgültiges Fazit zu ziehen. Was ist im letzten halben Jahr geschehen:

Der betroffene Schirm erhielt eine Sicherheitsmitteilung und die betroffenen Piloten wurden aufgefordert, ihre Schirme zur Nachuntersuchung zum Hersteller zu schicken. Es sei dahingestellt, ob das eine vernünftige Vorgehensweise ist, hatte der Hersteller doch in Petras Fall nachdrücklich demonstriert, wie dort gearbeitet wurde. Aber ganz sicher wurde hier von offizieller Stelle rechtlich korrekt vorgegangen.
So wuchs schnell Gras über den ganzen Vorfall.

Interessiert hat mich natürlich, wie die nun überprüften Schirmen aus der Überprüfung wieder an die Piloten ausgeliefert werden würden,- und einer dieser Piloten, ich nenne ihn einfach mal „Peter“, schickte mir letzte Woche seinen Schirm zum Nachcheck.

Ich denke, das Ergebnis ist eine Nachbetrachtung wert:

Das Eingangsvermessung von Peters‘ Schirm durch den Hersteller erinnert dann doch sehr stark an das Trimbild von Petras Schirm.

Petras Unfallschirm
Peters Schirm VOR der Überprüfung durch den Hersteller

Offensichtlich stand der nun zur Überprüfung anstehende Schirm von Peter sehr ähnlich zur Trimmung des Unfallschirms von Petra.

Blieb für mich nur noch die Untersuchung, wie der Hersteller den Schirm wieder ausgeliefert hat und in wie weit das Ergebnis glaubhaft ist.
Das ausführliche Protokoll (vorbildlich!) wies eine Vielzahl von gemachten Korrekturen auf. Natürlich habe ich den Schirm nachvermessen:

Trimbild NACH der Neueinstellung durch den Hersteller
Meine Vermessung

Die Vermessung durch den Hersteller und meine Nachvermessung ergaben jedenfalls in meinem Anaylseverfahren ein fast identisches Trimbild. Man muss schon genau hinschauen, um Unterschiede zu entdecken. Qualitativ sind sie jedenfalls völlig gleichwertig und zeigen einen Schirm, dessen Anstellwinkel nun (deutlich) kleiner ist.
(Die Differenz vorher/nacher dürfte nun bei etwa 3° und mehr liegen!!)

Ich möchte nicht werten, ob der Schirm nun vielleicht zu schnell im Trim steht – bei anderen Schirmen wäre das ganz sicher der Fall und ob die Gefahr von frontalen Klappungen oder einseitigen Klappungen nun signifikant steigt (hier wäre ganz sicher der Testflug eines Simon Winkler vom DHV ganz hilfreich), aber ein Strömungsabriss nach Anlegen der Ohren ohne Beschleuniger erachte ich auf Grundlage der Papierform nun als ziemlich unwahrscheinlich.

Mission accomplished?

Diese Nachuntersuchung zeigt deutlich auf, dass der Hersteller einen Missstand bearbeitet hat – den Schirm im Trim deutlich angepasst hat.
Es freut mich, dass hier eine qualitative Verbesserung stattgefunden hat und vielleicht hat meine kleine Doku auch geholfen, Unfälle zu verhindern und ein Umdenken bei diesem Hersteller zu erwirken?

Aber ich mach mir auch nichts vor. Andere Beispiele zeigen, dass noch viel Luft nach oben ist.

Unabhängige Datenbank für die Sollwerte, wäre ein erster Schritt, damit das durchaus stattfindende Verändern der Sollwertdaten aufhört.
Einheitliche Messstandards! ….. Wo ist der Nullpunkt der Vermessung? … Wie wird die Steuerleine vermessen? … Mit oder ohne Tragegurte, Leinenschlösser, Raffbänder?, Wirbel, Ringe etc pp.
vernünftige Ausbildung von Checkern – einfach einheitliche Standards schaffen.

Während meiner Fliegerlaufbahn wahrscheinlich nicht mehr,- aber die in diesem Bereich immer wieder auftretenden Fahrlässigkeiten/Schlampereien und Ignoranz, das Schweigen endlich abzulegen und die aufgezeigten Problemen anzugehen, wäre ein erster Schritt.

Petra wäre vielleicht/wahrscheinlich nicht abgestürzt, hätte sich nicht verletzt, wenn der letzte Check ihres Schirmes professioneller erfolgt wäre. Der Hersteller hat mit Peters Schirm bewiesen, dass er auch anders kann.

Immer 2 Schippchen Luft unter beiden Flügeln wünscht Euch

Ralf

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