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Teil 1: Der Unfall

Kaiser, König, Bettelmann - vielleicht bist Du als nächster dran

Diese Dokumentation entstand im Zeitraum von 3 Monaten und die Lesezeit dafür wird in allen Teilen ca. 30 Minuten betragen. Bitte denkt jetzt nicht:

„30 min!
Ich möchte mir eigentlich keine Gedanken über einen Unfall machen…. Sowas passiert halt beim Gleitschirmfliegen. Das ist ja nichts Neues,- das passiert ständig – immer wieder – Schicksal! Pilotenfehler! Ich bin ja sicher unterwegs! Mein Schirm wird fachgerecht, sogar beim Hersteller selbst, gewartet. Ich tu alles für meine Sicherheit… „

Aber hier geht es um eine junge Frau mit einer schweren Verletzung nach einem Gleitschirmunfall. Und beim Betrachten der Röntgenbilder, beim kritischen Überdenken der Ereignisse der letzten 3 Monate denk ich mir:

„Nur 30 Minuten? – Das ist alles, was Du dazu zu sagen hast? Mehr hast Du nicht?

30min – im Vergleich der seit so vielen Jahren ignorierter Gefahren von schlechten Trimmungen
30min – für die Verantwortung von Herstellern, Gleitschirmcheckern, dem DHV, von uns selbst
30min – für die Sicherheit von uns allen.

Ein trauriges Verhältnis.
Ich möchte Euch Leser bitten, diese Dokumentation durchzuhalten. Es ist Zeit Verantwortung zu fordern, zu übernehmen und zu handeln.

Es könnte Dich beim nächsten Flug betreffen – so, – oder so ähnlich.

Der kindliche Abzählvers – gespielt auf der Straße

Kaiser, König, Edelmann,
Bürger, Bauer, Bettelmann
Du bist nicht, doch du bist dran.


Für mich begann es am:

3. Dezember 2020

(Whats-App. Nachricht an mich von einem Freund als Weiterleitung)

„Hallo ……..  Ich hatte einen schlimmen Unfall und nun interessiert mich brennend, ob das mit der Trimmung meines Schirms zusammenhängt. Drum würde ich ihn gern zu einem zuverlässigen Check geben wenn ich wieder aus dem Krankenhaus raus bin.“

-und weil …….. sehr anonym klingt, als wenn es hier nicht um eine Person geht, nenne ich die verunfallte Person in dieser Dokumentation einfach mal „Petra“.

Was war passiert? Petra schildert mir ihren Unfall so:

An 30.11.2020 war ich, wie so oft, an meinem kleinen Hausberg zum walk and fly. Ich hatte meinen drei Jahre alten mid B Schirm dabei. Es waren ruhige Bedingungen, keine Böen, mäßiger Wind von vorn, kaum Thermik. So wenig, dass ich schon bald vom Hang abflog Richtung Landeplatz.
Eine klassische Landeeinteilung ist an diesem Fluggelände nicht vorgesehen und ich flog den Landeplatz mit der für dieses Gelände vorgeschriebenen Landevolte an. Im Endanflug war ich noch etwas zu hoch und ich entschied mich die Höhe durch Anlegen der Ohren abzubauen. Ich wähle diese Art zu landen an kleinen Landeplätzen oft – fliege tendenziell eher zu hoch an um dann bei Bedarf mit den Ohren zu landen.
Es war also eine bewusste und routinierte Handlung und keine hektische Kurzschlussreaktion mit angebremstem Schirm oder ähnliches.
Unerwartet geriet mein Schirm unmittelbar nach dem Ohren anlegen in einen Sackflug gegen den ich aufgrund der geringen Höhe nichts mehr ausrichten konnte und so die letzten 10 Meter abstürzte und auf dem Rücken aufschlug. Das Ende des Fluges waren ein gebrochener Lendenwirbel, ein gebrochener Brustwirbel, zwei Wochen Krankenhaus mit zwei langwierigen Operationen, mehrere Wochen Reha und die Hoffnung in ein paar Monaten wieder hergestellt zu sein um wieder in die Luft zu kommen.

Beim Betrachten der Bilder sollte klar sein, dass es hier um einen wirklichen Unfall geht,- mit schwerer Verletzung und nicht nur einem additiven Zähler in einer Statistik am Ende der Flugsaison.

Natürlich könnte man jetzt einfach sagen. „Weiß man doch, dass das Ohren anlegen zum Sackflug führen kann“ … und sowas wie „Selbst Schuld“…. „nicht im Unterricht aufgepasst“ ….. oder ähnliche kluge Expertenkommentare, aber so ein Unfall schreit geradezu nach einer Überprüfung der Trimmung. Ein Schrim DARF nicht in den Sackflug gehen wenn die Ohren angelegt werden. Da ist was faul – oberfaul! Ich habe dann Petra kontaktiert und ihr angeboten, den Schirm zu überprüfen.

Hier geht es weiter:

Die erste Vermessung

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